Das Risiko entsteht fast immer dann, wenn die Selbsteinschätzung nicht dem tatsächlichen Könnensstand entspricht.
Gerät & Ausrüstung: Gefährlich wird es, wenn das Gerät nicht dem tatsächlichen Könnensstand entspricht.
Können & Training: zu wenig Flugpraxis, Wiedereinstieg ohne Auffrischung, fehlende Notfallroutine
Verfassung: schlechte Tagesform, z. B. durch Krankheit, Schlafmangel, Stress, Ablenkung, Alkohol/Medikamente
Wetter & Fluggebiet: unerwarteter Wetterverlauf, lückenhaftes Meteowissen, verpasstes Zeitfenster (Föhn, Überentwicklung, Windzunahme), unbekanntes Gelände, Fliegen in Bodennähe
Kopf & Verhalten: Gruppendruck, Zieldruck ("get-home-itis"), Ablenkung durch Technik, Kollisionsrisiko im Pulk, Routine-Sattheit
Betrachten wir nun das Thema Sicherheit differenziert nach Ausbildung und nach Flugsport nach der Ausbildung. Letzteres teilt sich noch einmal in drei Gruppen mit sehr unterschiedlichem Risikoprofil auf.
1. Sicherheit in der Ausbildung
In der Ausbildung steht ein Ziel im Vordergrund: Menschen sicher in die Luft zu bringen und ihnen die Grundlage für ein unfallfreies Fliegerleben mitzugeben.
Unsere Standards bei Papillon beruhen auf einer Systematik, die ich gern mit dem PADI-System aus dem Tauchsport vergleiche: klare, überprüfbare Regeln, an die sich alle halten.
Lückenlose Betreuung: Jeder einzelne Ausbildungsflug wird persönlich durch ausgebildetes Fluglehrerpersonal begleitet.
Maximale passive Sicherheit: Wir schulen ausnahmslos auf geprüften Fluggeräten der Kategorie EN-A. Diese Schirme sind extrem gutmütig und klappresistent.
Höhere Standards: Der Papillon Schulungsstandard geht seit jeher weit über die luftrechtlichen Mindestanforderungen hinaus (hauptberufliche Fluglehrer, Betreuung an Start- und Landeplatz)
Mehrere Fluggebiete: Besonders gut zur Ausbildung geeignete Flug- und Übungsgebiete
2. Sicherheit mit Schein: Drei Pilotengruppen
Nach der Scheinerteilung verlagert sich die Verantwortung in dein persönliches Risikomanagement. Hier unterscheiden wir drei Gruppen:
Der Hobby- und Genusspilot
Er betreibt den Sport mit hohem Sicherheitsanspruch. Dazu setzt er auf gutmütiges Material (EN-A- oder defensiv eingestuftes Low-EN-B-Gerät), fliegt oft im Rahmen von Trainings oder begleiteten Flugreisen und wählt seine Fluggebiete bewusst aus.
Der Sportpilot
Ein gut trainierter Vielflieger, der bewusst in höheren Geräteklassen (etwa EN-B oder auch C) unterwegs ist. Er geht auch alleine auf Strecke und nutzt Fluglehrer noch gelegentlich, zum Beispiel zum Sicherheitstraining über Wasser oder bei Gleitschirmreisen.
Hinweis zum Material: Ein defensiver Low-EN-B-Schirm ist nur so sicher, wie er auch geflogen wird. Die passive Sicherheit hilft – ersetzt aber weder Wetterurteil noch ehrliche Selbsteinschätzung. Uneingeschränkt empfehlenswert sind Gleitschirme der Kategorie EN-A.
Der Extremsportler
Dazu zählen Wettbewerbspiloten auf zugelassenen Hochleistungsschirmen (EN-D/CCC). Die "Formel-1-Piloten" bringen umfangreiche Erfahrung und ein entsprechendes Risikomanagement mit.
Davon zu trennen ist das Speedflying mit sehr kleinen, schnellen und nicht zugelassenen Geräten. Das sieht dem Gleitschirmfliegen nur ähnlich, ist aber ein eigener, deutlich risikoreicherer Extremsport, für den es keine Ausbildung, Zulassung oder Versicherung gibt.
3. Was die Statistik zeigt
Ein Blick auf die Unfallzahlen des DHV macht deutlich: Wie sicher der Sport ist, hängt maßgeblich vom gewählten Pfad ab. Im langjährigen Mittel ereignen sich rund neun tödliche Gleitschirmunfälle pro Jahr.