Wer kennt das nicht:
Draußen fangen die Nachbarn und Nachbarinnen an, im Garten zu werkeln. Der letzte Schnee ist längst Geschichte, die ersten Knospen sprengen ihre Winterhüllen – und plötzlich wird einem klar: Das könnte ja schon Flugwetter sein!
In den einschlägigen Foren und sozialen Medien häufen sich die ersten Berichte von unerwarteten, magischen Thermikflügen. Papillon verschickt verlockende Angebote für Reisen („nur noch wenige Plätze frei!“), der Blick in den Himmel wirkt vielversprechend und selbst die Fußgänger-Wetterprognose zeigt vorsichtigen Optimismus für Mitteleuropa.
Also: Schnell alle Termine für Freitag streichen, Montag vorsorglich gleich mit. Den Wochenendbesuch bei der Großtante zum runden Geburtstag mit einer halbwegs glaubwürdigen Ausrede absagen. Klamotten ins Auto, Gurtzeug, Schirm, Helm – und los geht’s! …
Oder etwa nicht?
Der Schirm…
…war doch letztes Jahr im Check. Oder war das vorletztes Jahr? – Mist.
Schneller Blick in die Kappe: Uff. Noch einen Monat gültig. Und das gleich zu Saisonbeginn. Glück gehabt. Aber kein Problem – bei der Flugschule des Vertrauens geht das sicher schnell. Nach dem Wochenende kümmere ich mich drum. Vermutlich bin ich ja sowieso der Einzige, der das verschusselt hat.
Wenn wir schon dabei sind: Die Rettung.
War das Gurtzeug nicht im Herbst etwas feucht geworden? Da wollte ich doch noch nachschauen… Aber dann kam Weihnachten. Und Silvester. Und Fasching. Wird schon passen. Kommt auf die Liste für nächste Woche zum Check.
Der Rest…
…ist sicher okay. Wo ist eigentlich das Vario? Ah, da! Eingeschaltet – natürlich. Akku – natürlich leer.
Ladekabel? Weg. Kurzer Abstecher ins Zimmer eines meiner Söhne – er wird ein Kabel weniger schon nicht vermissen. Angesteckt.
Und dann diese freundliche Meldung: FLARM-Lizenz abgelaufen, Lufträume nicht mehr aktuell. Natürlich.
Draußen ist es inzwischen dunkel. Ich wollte doch längst fertig sein. Luftfahrerschein und IPPI-Card sind bestimmt im Gurtzeug… Nein. Sind sie nicht. Die Handschuhe? Auch nicht. Der Helm? Riecht… sagen wir: interessant.
Groundhandling hätte ich ja mal machen können in den letzten Monaten. Wetter gab es genug. Wiesen auch. Aber dann war ja… Weihnachten und der Rest… (du kennst das schon).
Die Handschuhe tauchen schließlich auf. Leicht perforiert, aber noch saisontauglich. Im Rucksack entdecke ich außerdem einen Müsliriegel – zerquetscht, zerknittert und definitiv jenseits seines Haltbarkeitsdatums. Gut dass "Mindestens haltbar bis" nicht "Tödlich ab" bedeutet. Aber hey: Für eine Außenlandung reicht’s.
Jetzt noch schnell der Wettercheck:
Burnair, Windy, Meteo Parapente – alles an Apps da. Aber: Login für das Premium Abo vergessen. Lizenz abgelaufen. Menüführung neu. Irgendwas war da doch mit Webinaren im Winter, aber Weihnachten und … – siehe oben.
Wird schon passen.
Also: Wohin?
Am besten ein vertrautes Gelände für den Wiedereinstieg. Kurzer Blick auf die Website der Bergbahn: Klar, Preise erhöht, aber viel schlimmer: Revision ab diesem Wochenende! Natürlich.
Die Welt hat sich eindeutig gegen mich verschworen. Und das trotz meiner hervorragenden Vorbereitung. Ich will jetzt fliegen. Unbedingt. Wenn nötig mit Gewalt. Das wird schon gutgehen. Oder?
…
Diese Geschichte ließe sich beliebig fortsetzen – du ahnst es.
Deshalb habe ich eine kleine, ehrliche Checkliste für den Saisonstart zusammengestellt, die du idealerweise nicht erst am Vorabend vor deinem ersten Flugtag der Saison abarbeiten solltest.
Meine Tipps zum Saisonstart